Mit Trauer und Entsetzen erlebe ich eine fortschreitende Inflation von Begriffen, die Wichtigstes und Wertvollstes in meinem Leben bezeichnen. Während so etwas wie Gott und Liebe schon vor meiner Geburt von „intelligenten Menschen“ kaum in den Mund genommen werden konnte, musste ich in meiner Jugend die rasante Entwertung der Esoterik mit ansehen. Besonders trauere ich der Ganzheitlichkeit nach, der meine treueste Liebe gilt, und deren Namen nun eher belanglose Verallgemeinerungen nahelegt. Gegenwärtig ist es die Spiritualität, die als Begriff für eine riesige Blase von Flachheiten missbraucht wird. Als nächstes wird es vorraussichtlich das Integrale ereilen. Gegenwärtig noch Leitstern und verbindener Begriff von ganzheitlich fragenden und handelnden Menschen - ist eine beginnende Vermarktung in den Kaufhäusern des schnellen Halbwissens und der schillernden Oberflächen bereits zu spüren.

Wenn wir Begriffen Wert und Würde zusprechen, dann werden diese nur erkannt und erhalten werden können, wenn wir unser gefährdetes Verbindungsmedium Sprache achtsam, klar und mit Dankbarkeit für die überbrückende Begegnungsqualität der Begriffe verwenden wollen.

17. 7. 2008

 

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